Wir waren bei den deutschen Meisterschaften im Kettlebell-Sport in Stolberg

Wettkampf ist kein Training

Neulich noch unvorstellbar und jetzt waren wir dabei. Die deutschen Meisterschaften 2017 des BUNDESVERBAND DEUTSCHER KETTLEBELL SPORTLER am 8. April in Stolberg war ein tolles Erlebnis. Eröffnungszeremonie, Nationalhymne, Fahne, Gänsehaut. Das Flair einer offiziellen Meisterschaft ist immer etwas Besonderes. Für mich in einer ganz anderen Sportart als gewohnt. Die Aussicht 10 Minuten ohne  Unterbrechung Gewichte zu stemmen mag nicht für jeden verlockend sein. Wenn man aber einmal von der Kugel infiziert ist, will man es letztlich auch wissen. Als wir uns im Herbst 2016 entschlossen an der DM teilzunehmen, ging ich davon aus Termin ist Herbst 2017. Die Ausschreibung kam und es war der 08. April als Datum vermerkt. Upps, das ist für einen alten Mann wie mich etwas zu plötzlich, dann halt 2018, dachte ich bei mir. Nicht so aber meine drei Athletinnen Annika, Corinna und Chrissie:  „Wann gehts los mit Training, Trainer? „ Ich: „ Ähh, am 17. Januar Mädels.“  Okay, dann ist es halt so! Wir haben uns geschunden und ich hab jede Minute mit den Mädels genossen. Fleißig trainiert, an der Technik gearbeitet, Kraft gebunkert, die Hände aufgerissen und viel gelacht. Wir sind deutlich raus aus der Komfortzone, ob bei den Kniebeugen mit der Langhantel oder  beim Eisenbollen über den Kopf halten und dabei durch die Gemeindehausstraße spazieren, Schweiß floss reichlich. Annika hat sich für den OALC (One Arm Long Cycle) Umsetzen und Stoßen entschieden. Corinna und Chrissie meldeten für Snatch (Reißen) und ich Biathlon (Jerk & Snatch) Stoßen und Reißen, alle in der Beginner-Klasse. Beim ersten Training war eine Minute, mit einer Hand verflucht lang. Fucking  Zehn Minuten! Wer kommt auf sowas? Die Russen
waren es! Wir haben uns reingewühlt in das Thema und es hat richtig Spaß gemacht. Die drei Damen waren hochkonzentriert und diszipliniert bei der Sache. Es half also nix ich musste mit ran. Wir fuhren also nach Stolberg/Reinland und trafen lauter nette Sportkameraden. Erstmal am Vorabend auf die Waage wenn das Gewicht passt, wird gefuttert und so war es. Mädels, langsam und ganz sauber anfangen, auf den Judge achten ob er auch zählt, nicht überziehen, Rhythmus finden. So meine letzten Anweisungen. Was machen die Mädchen? Halten sich absolut und diszipliniert an die Marschrichtung. Annika muss als erste raus, feuchte Hände, wackelige Knie wie wir alle. Dann zieht sie in bester Technik und persönlicher Bestleistung ihr Ding durch. Jetzt weiß ich, alles wird gut gehen. Natürlich platze ich vor stolz als sie vom Judge und von anderen Sportkameraden für ihre tolle Technik gelobt wird. Corinna und Chrissie beim Snatch genauso. Diszipliniert und technisch astrein, wunderbar anzusehen. Was macht der Trainer? Der entdeckt beim Warm Up neue Kettlebells. Wolferson aus England. Die lagen verflucht geil in der Hand. Im fünften Flight war mein erster Start. Also raus mit Wackelknie und warten aufs Kommando. „Judge bereit? Athlet bereit?“ Los gehts. Die zwei 16er Kugeln fühlen sich an wie 12er. Die fliegen fast schwerelos von allein nach oben. Der Judge zählt, alles scheint gut.  Ich schau auf die Uhr, 22 Reps 01:15 min. Verflucht, ich bin viel zu schnell. Acht Reps/min war meine Vorgabe. Die psychedelische Mucke, die große  Halle, die geilen Kugeln haben mir irgendwie den Kopf verdreht. Bremsen, dringend bremsen, aber es geht nicht. Die Kugeln fliegen und fliegen lustig weiter und nur wenig langsamer. „Alter Trottel, das kannst du nie durchhalten, komm zu dir“ so meine Gedanken und mir wird schwindlig. Dann kommt was kommen muss. Der gnadenlose Hammer! Alle Luft ist weg und noch nicht mal Halbzeit. Stehen, atmen und ausruhen. Ich will um keinen Preis die Bühne vorzeitig verlassen. Mit gefühlten drei Reps/min kämpfe ich mich durch. Wie doof kann man sein? Ich wackle, aber ich stehe. Ich gebe mir alle Schimpfnamen die mir einfallen. Im Grunde hätt ich nach 5 Min abtreten können aber das hätte ich mir nie verziehen. Aus den geplanten 80 Reps werden nur 51. Aber der Kampfgeist war trotz aller Fehler bis zum Schluss da. Von daher bin gar nicht unglücklich. Beim Snatch lief es dann auch besser. Da lief es dann wirklich halbwegs nach Plan. Ein Wettkampf ist kein Training und man sammelt an diesem einen Tag so viel wertvolle Erfahrungen über den Sport und sich selbst. Das ist durch kein Training zu ersetzen. Im Mai beginnt die Vorbereitung für die DM 2018, dann starten wir bei den Amateuren.

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